n   i   g   h   t

   

eineinhalb jahrhunderte nach ihrer erfindung ist photographie das passepartout für eine unendliche vielfalt technischer verfahren und gedanklicher methoden geworden. sie sind enorm diversifiziert und kaum noch verwandt. ein wort für tausend dinge. wie um die sprachverwirrung zu steigern, nennt man nicht nur das verfahren photographie, sondern auch alles was damit produziert wird: ein gemenge selbständiger, nicht kohärenter kunstformen. es ist unsinnig, das wort zu verwenden, wenn man es nicht spezifiziert. man benutzt es weiter, weil man kein besseres hat. die bezeichnung "photograph" ist etwa so präzise wie die berufsangabe autofahrer, telefonist oder radiohörer. jeder tut es, jeder kann es, jeder ist es.

michael ruetz - sichtbare zeit, 1995